Sie ist die Königsdisziplin der STIHL TIMBERSPORTS® Series, denn nur die besten Athleten qualifizieren sich am Ende eines Wettkampfs für das Schneiden mit der Hot Saw. Jörg Bläsi begleitet im technischen Service von STIHL die Neuentwicklungen von Geräten und Maschinen. Durch seine Liebe zum Rennsport begann er mit dem Tunen von Sägemotoren und tut dies nun zusätzlich als Cheftechniker der Sägemanufaktur WankelSpeed. Seine zwischen 65 und 80 PS starken Hot Saws werden individuell für jeden Sportler gebaut und an seine Bedürfnisse angepasst. Warum das so ist, erklärt Jörg Bläsi im Interview.
Wie viel Power hat eine Hot Saw im Vergleich zur Stock Saw, mit der alle Athleten im Wettkampf antreten?
Jörg Bläsi: Die Hot Saw besitzt die 10-fache Leistung. Zum Vergleich: Ein Sportwagen beschleunigt von 0 auf 100 in 3 bis 4 Sekunden. Die Hot Saw benötigt dafür 0,2 Sekunden. Wir erreichen sofort die Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h. Das sind brutale Kräfte, die der Athlet in diesem Moment unter Kontrolle halten muss. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine muss stimmen, deshalb ist es sinnvoll, die Säge perfekt auf den Sportler zuzuschneiden.
Gibt es für die Hot Saw ein Power-Limit?
Das Reglement legt weder eine Hubraumbegrenzung des Motors fest, noch limitiert es die Größe des Vergasers. Vorgabe ist nur, dass es ein Einzylindermotor sein muss.
Der begrenzende Faktor ist, dass die Säge von Hand mit einem Seilzug gestartet werden muss. Mehr Hubraum und somit mehr Leistung heißt, dass die Maschine immer schwerer anzuziehen ist. Hier muss gemeinsam mit dem Sportler den Spagat zwischen Startfreundlichkeit und hoher Leistung gelingen.
Ab wann benötigen Sportler eine eigene Hot Saw?
Wenn es von der Platzierung her in Richtung Podium geht, brauchst du eine eigene Hot Saw. Die Disziplin ist zu wichtig und entscheidet in der Regel den Wettkampf – und das in weniger als zehn Sekunden.
Es gibt jedoch keine fertige Hot Saw im Handel zu kaufen. Bei WankelSpeed testet der Sportler in der Regel eine Basissäge. Danach konfigurieren wir diese nach seinen Vorstellungen, beispielsweise die Balance der Säge, die Größe der Seilrolle zum Starten, die Größe der Kolben und dadurch auch die Verdichtung, bzw. die Leistung der Maschine.
Das Basismodell kostet rund 6.500 Euro – nach oben offen. Es kommt auf die Materialien an, die man wählt. Es ist üblich, im Laufe seiner Sportkarriere die Säge weiter zu optimieren. Aber das ist kein Problem, weil unsere Sägen wie ein Baukasten zusammengesetzt werden.
WM-Athleten aus Polen, Schweden, den Niederlanden und Deutschland nutzen derzeit unsere Sägen bei Wettkämpfen. Wir bauen bei WankelSpeed Sägen für Sportler aus der ganzen Welt.
Modifizieren die Sportler ihre Säge auch selbstständig?
Die wenigsten Sportler tunen den Motor selbst. Hierfür fehlen ihnen häufig auch das Knowhow und die Zeit, denn das Vorbereiten der Äxte und das Schleifen nimmt schon viel Zeit in Anspruch. In Abstimmung mit uns werden die Beinstützen oder die Handgriffe manchmal von ihnen selbst optimiert und weiter personalisiert.
Die Kette ist dagegen ein anderes Thema: Die Kette ist so bedeutend bei der Hot Saw wie der Reifen in der Formel 1. Das Ziel ist, die komplette Motorleistung in Schnittleistung umzusetzen. Jeder Sportler muss seine eigenen Erfahrungen sammeln, um die Kette auf seine persönlichen Ansprüche abzustimmen.
Besonders stolz sind wir natürlich, wenn mit unseren Sägen Rekorde aufgestellt oder Titel geholt werden. Das ist dann die Belohnung für unsere akribische Arbeit.